4. August 2014 von & gespeichert unter Social Media, Tipps.

„Die Communitiy ist gefragt!“ – unter diesem Motto gehen seit längerem vermehrt sogenannte Crowdsourcing-Aktionen ins Netz.
Unternehmen überlassen das Kreieren neuer Produktsorten oder zukünftiger Verpackungsdesigns der Masse. Die Intention dahinter ist klar:
Es soll ein massentaugliches Produkt herauskommen, welches maßgeblich von der Community, die quasi für die Schnittmenge aller Geschmäcker steht, entwickelt worden ist. Es wird also nicht mehr nur herkömmlich „outgesourct“, sondern ganz im Sinne des Social Web „gecrowdsourced“.

Das sowas auch nach hinten los gehen kann, beweist die aktuellste Aktion von Pril. Die anfänglich tolle Idee, ein neues Design für die Spülmittelflasche zu finden, endete in einem wahrlichen Debakel. Der sonnig blaue Himmel, den die Aktion anfangs versprach, wurde nach und nach mit dunklen Gewitterwolken durchzogen, die zu ihrem Höhepunkt einen Sturm der Entrüstung zur Folge hatten: einen Kritiksturm.

Was war passiert?

Seit dem 31. März suchte Pril unter dem Motto „Mein Pril – Mein Stil“ ein neues Design für seine Spülmittelflaschen. Kreative konnten via Designgenerator Vorschläge einreichen. Diese standen dann vom 01. bis 15. Mai zum Voting bereit. Aus den Top-Votes würde dann die Jury den Gewinner küren, hieß es.

Mit der Votingphase begann sich dann auch schon eine erster Kritiksturm zusammenzubrauen. Fans machten Pril darauf aufmerksam, dass die bisherig Führenden unnatürlich viele Votes haben. Zudem gab es Kritik an den Reaktionszeiten von Pril. Fans hatten schon gleich zu Beginn der Votingphase Bedenken geäußert und auf die Gefahr von Fake-Votings, die im Netz üblich seien, hingewiesen. All diese Bedenken und Hinweise blieben von Pril unkommentiert. Letztlich reagierte Pril und bereinigte die abgegeben von den manipulierte Votes, ohne jedoch detailliert auf die Gründe und Vorgehensweisen einzugehen. Viele Fans und vor allem Teilnehmer begrüßten anfänglich diesen Schritt, bedeutete er doch, dass ehrliche Mitstreiter gewinnen würden. Die positive Stimmung schlug dann schnell ins Gegenteil um, denn auch diese ehrlichen Mitstreiter beklagten sich nach und nach über den Abzug von hart erarbeiteten Stimmen.

Der Kritiksturm nahm seinen Lauf und erreichte seinen Höhepunkt als am 19. Mai die Gewinner bekanntgegeben wurden. Allein dieser Post verzeichnete auf Facebook sage und schreibe 885 Kommentare, von denen „Nicht die beste Wahl“ oder „Och nö, oder?“ noch die freundlichsten waren. Das letzlich unter den von der Jury gekürten Gewinnern zwei relativ seriöse Vorschläge gewonnen haben, hat dabei sicher vorwiegend Pril selbst gefallen.

Es scheinen vor allem Voting-Aktionen zu sein die für Kritikstürme anfällig sind oder die zumindest Ausgänge herbeiführen, die man vorher so gar nicht vermutet hätte. Ein älteres Beispiel ist dabei die Suche von rtv nach seinem Titelgirl. Es sollte über das zukünfite Covergirl abgestimmt werden. Dabei gewann 2006 Katja, die uns als eines der ersten Beispiele für die Wirkung von solchen Aktionen in Erinnerung blieb.

Pril Artikel

Crowdsourcing: Welche Regeln gilt es zu beachten?

Um einem Crowdsourcing-Debakel vorzubeugen, gilt es grundlegende Dinge zu beachten und einzuhalten. Wir haben die für uns wichtigsten Learnings aus der missglückten Pril-Kampagne in vier Stichpunkten zusammengefasst.
  1. Transparente Kommunikation gegenüber den Usern
    Ziele, Ablauf, Zeitschiene und Spielregeln müssen unmissverständlich klar kommuniziert werden. Wenn Fragen von Usern kommen, sollte möglichst zeitnah darauf eingegangen oder zumindest der Hinweis gegeben werden, dass man sich damit befasst.
  2. Manipulationen ausschließen
    Um Fake-Votings zu vermeiden, sollte man vor Beginn der Votingphase alle Eventualitäten durchspielen und möglichst ausschließen. Läuft das Voting über Facebook, kann man schon mit einfachsten Vorkehrungen Fake-Votings vorbeugen. Um beispielsweise Facebook externe Übergriffe zu vermeiden, wird bei der Stimmabgabe die Facebook-ID gespeichert. Oder man arbeitet mit Cookies und der IP um Mehrfachvotes vom gleichen User zu verhindern. Entdeckt man Mehrfachvotes, darf der User freundlich und kommunikativ darauf aufmerksam gemacht werden.
  3. Zu seinen eigenen Spielregeln stehen
    Wie am Beispiel von Pril geschehen, sollte während der Aktion keine Änderung der Spielregeln erfolgen. Ist dies aus stichhaltigen und nachvollziehbaren Gründen unumgänglich, muss dies noch vor Regel-änderung klar und detailliert der Community erläutert werden. Natürlich sollte eine Regeländerung nur im äußersten Notfall erfolgen.
  4. Recht auf Prüfung einräumen
    Im Rahmen der Bewerberphase sollte man sich das Recht auf Prüfung der Bewerbung einräumen. Jeder Teilnehmer wird dafür Verständnis haben, dass die Einreichung auf eventuell verletzte Urheberrechte oder andere rechtliche Aspekte hin geprüft werden muss.

 Weitere Kriterien könnten sein:
– Technische Machbarkeit
– Bezug zur Marke
– Einhaltung sämtlicher im Rahmen des Designaufrufs definierter Aspekte

Im Falle einer Ablehnung sollte man diese unbedingt auch dem Bewerber per E-Mail kommunizieren.

Ritter Sport Platz 2

Crowdsourcing: erfolgreiche Kampagnen

Wieder andere Crowsourcing-Aktionen entpuppen sich hingegen als erfolgreiche Marketingcoups. Man schaue nur auf RITTER SPORT, wo dieses Jahr die fertige und von der Community kreierte Blog-Schokolade entstand.

Blog Schokolade Namen

Ritter Sport Platz 3

Oder auf die Aktion „Mein Burger“ von McDonalds, wo aus 70 Zutaten in 5 Wochen 115.000 Burger von Fans kreiert worden sind. Der auserkorene Gewinner-burger erscheint demnächst deutsch-landweit in allen Filialen. Die Aktion war so erfolgreich, dass momentan selbige in Österreich läuft.

Mc Donald's

Auch wenn Crowdsouring-Aktionen einen negativen Beigeschmack haben können, so sind sie doch ein gutes Marketingmittel. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass sowohl Lob als auch Kritik nahe beieinanderliegen und durch die Schnelllebigkeit des Netzes auch schnell und vor allem weltweit verbreitetet werden. Ein gut geführter Dialog kann dabei Gold wert sein, denn wer würde es nicht übel nehmen, wenn man Fragen oder Anmerkungen hat, die unbeantwortet bleiben?!




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